Mai 2026 - Ein Freund, ein guter Freund …
Ein Freund, ein guter Freund …
„… ist das Beste, was es gibt auf der Welt.“ Oder das Komplizierteste. Wenn es sich um einen Männerbund handelt, zum Beispiel. In der Komödie „Emma“ von Thomas Kraft geht es mit Wortwitz und Situationskomik zur Sache. Drei Freunde versuchen nach Jahren, an die Freundschaft von früher anzuknüpfen. Aber Erich, Frank und Bernd, Männer mittleren Alters, haben sich lebensgeschichtlich sehr unterschiedlich entwickelt. Und auch früher war nicht immer Sonnenschein. Wie war das gleich noch mal mit Emma …? Was bleibt, was muss verworfen, was muss neu gedacht werden?
Thomas Kraft ist mit „Emma“ eine äußerst unterhaltsame, lebensnahe, zeitgemäße und wirklich lohnende Komödie für drei versierte Schauspieler gelungen.
NEU im Programm: „Lichterloh –Feuer und Flamme“ von Claudia Ducci. Hier brennt’s überall! Martin ist mit Vorbereitungen für die große Party zu seinem 30.Geburtstag beschäftigt. Mit Freund Björn blättert er in alten Fotosammlungen. Dabei steigen Erinnerungen an seine verflossene Liebe Jasmin auf, die einst versprochen hatte, unter allen Umständen seinen 30. Geburtstag mit ihm zu feiern. Björn möchte verhindern, dass Martin sich in unerfüllbaren Wünschen und Sentimentalitäten verliert, doch dann taucht Jasmin wider Erwarten tatsächlich auf und erzählt eine herzzerreißende Geschichte, die Martin aufs Neue hoffen lässt. Gestern und Heute, Wahrheit und Lüge vermischen sich auf undurchschaubare Weise, und am Ende brennt die Scheune auf Martins Hof. Doch es gibt ein Happy End, und Björn zeigt sich als der beste Freund, den man sich wünschen kann.
Immer wieder gern gespielt: „Eine Frau braucht einen Plan“ von Susanne Feiner. Zwei beste Freundinnen treffen sich wie üblich zum „Mädelsabend“. Doch diesmal ist alles anders. Die eine eröffnet der anderen, sich auf ihren Futon legen zu wollen und das Leben allmählich „auszuatmen“, denn es habe sich für sie erfüllt. Ihre letzte Bitte ist, dass die Freundin sie beim Abschied begleite ... Da dieses Stück aber kein Trauerspiel ist, sondern eine Komödie, wird von Anfang an ein doppeltes Spiel gespielt, die Karten sind gezinkt, der Plan ist intrigant und eine ganze Weile undurchschaubar.
Ein Stück für zwei Schauspielerinnen beliebigen Alters und intime, kleine Theater, die das Publikum ganz nah ans Bühnengeschehen heranholen.
„Ziemlich bestes Alter“ heißt die „Ü60“-Komödie von Axel Bungert. Drei Frauen und ein Mann tun sich im fortgeschrittenen Alter zu einer WG zusammen. Das funktioniert gut, nur putzen wollen sie alle nicht. Man beschließt die Anschaffung eines Putzroboters. „Robert“ ist ein männlich aussehendes, attraktives Exemplar und gefällt besonders Susanne, die alsbald einige „Sonderfunktionen“ an ihm entdeckt, die sie gern geheimhalten würde. Doch das gelingt ihr nicht. „Robert“ stiftet allmählich so viel Zwietracht in der kleinen Gemeinschaft, dass die Runde ihm eine „Gefährtin“ namens Roberta spendiert, nicht ahnend, wie schnell sich die Machtverhältnisse durch das Zusammenspiel zweier Roboter zu ihren Ungunsten verschieben.
In der Komödie von Thomas Rau, „Her mit dem Preis“ werden die Mitglieder einer Fahrradclique moralisch auf eine harte Probe gestellt. Der zufällig entdeckte Gewinncode im Kronkorken einer Bierflasche stellt ein Auto der Luxusklasse in Aussicht. Wenn auch nicht unbedingt das Auto: Die hohe Summe, die mit dem Verkauf zu erzielen wäre, könnte jede/r sehr gut brauchen. Doch wem gehört der Preis überhaupt? Dem Käufer der Flasche, dem Entdecker des Codes oder allen zusammen?
Es wäre nicht das erste Mal, dass aus Geldgier gemordet würde. Aber doch nicht unter den woken Teilnehmer*innen einer friedlichen Fahrradtour?
Eine Besonderheit: Das Stück bietet zwei unterschiedliche Schlüsse an, über die das Publikum entscheiden darf.
Der Titel „Happy Weekend“ lässt gleich Stress vermuten. Friedbert und Freund Horst verbringen einen feuchtfröhlichen Abend, an dessen Ende Friedbert alkoholisiert einen vermutlich obdachlosen, ebenfalls nicht ganz nüchternen Mann anfährt. Um die Sache zu vertuschen, verfrachten die beiden den Mann in Friedberts Wohnung und hoffen, dass das „Problem“ am nächsten Morgen ohne Aufsehen zu erregen verschwunden ist. Doch eine neugierige, gelegentlich verwirrte Nachbarin glaubt, einen Toten zu sehen und verständigt die Polizei. Und auch der Obdachlose verhält sich anders als erwartet …
Wie immer gelingt Rolf Salomon in der Mischung aus Gesellschaftskritik und Schwank auch hier ein wilder, unbedingt bühnentauglicher Genremix für Unerschrockene.
Campingurlaube sind beliebt, vor allem bei Leuten, die sich für Individualisten halten. Doch wenn sich zu viele davon auf engem Raum tummeln, wird es kritisch. Davon erzählt Mareike Niekerken in „Ich hatte Idylle gebucht“. Bille hat ihrer Freundin Anne ein paar entspannte Tage beim Zelten auf einem deutschen Campingplatz spendiert. Aber erstens findet Anne diese Überraschung ganz furchtbar, und zweitens reagiert das benachbarte Ehepaar äußerst giftig auf die “Grenzverletzung“ der beiden Frauen anlässlich der Betrachtung des Sonnenuntergangs. Die Lösung des Konflikts liegt eigentlich nahe, wird in diesem Stück von den Beteiligten aber schonungslos erkämpft.
„Eine Feier, nur so“ ist als spontane Einladung an langjährige Freunde und Nachbarn gedacht. Doch konkurrierende Interessen, Gefühle, Amouren, Begierden, in denen die schwulen Freunde und Bekannten verstrickt sind, lassen die Gespräche schnell zweideutig werden. Verletzungen bleiben nicht aus.
Als Flori, Bens Freund und transgender, auf dem Weg zur Party aufgehalten wird, ist klar, dass wir uns in der vielleicht schon nahen Zukunft befinden. Ausgangssperren, Gesichtskontrollen im öffentlichen Nahverkehr, Abbau der Meinungsfreiheit, Rütteln an der Gewaltenteilung … Die Party endet resigniert, ernüchtert und mit dem Verrat an einem Freund.
Als „Boulevardtragödie“ bezeichnet Autor Martin Pfaff dieses Stück. Mit „Achtung, Paradies“ hat er sich dem Genre der „Kriminalfarce“ zugewandt: Ernie und Bert, vor kurzem noch ein Paar, wollen als gute Freunde an einer „esoterischen Schnitzeljagd ins Paradies“ teilnehmen. Die Nacht vor dem Start verbringen sie in einem etwas ramponierten Hotel mitten in der Provinz. Und was sie dort erleben, ist eher alptraumhaft als paradiesisch, auf jeden Fall aber unvergesslich …
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Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und grüßen Sie herzlich
Ihr
Deutscher Theaterverlag
Gabriele Barth