August 2026 - Der Sommer geht, die neuen Stücke kommen
Liebe Freundinnen und Freunde des Amateurtheaters,
die Freilichtsaison geht allmählich ihrem Ende entgegen, doch nach der Saison ist immer vor der Saison. Also beginnen wir diesen Newsletter mit einem Tipp für die Freilichtbühnen.
Clemens Allweyer, dem „Theater im Steinbruch Emmendingen e.V.“ als Akteur und Vorstand seit vielen Jahren verbunden, übersetzte und bearbeitete George Feydeaus „Die Dame vom Maxim“. Er kürzte das Original beherzt auf unter 2 Stunden Spieldauer und das Personal von 29 auf 21 Rollen, davon 14 weibliche. Feydeaus Farce spielt in seiner Bearbeitung außerdem nicht 1899, sondern in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts und ist somit eine reizvolle, gut spielbare Alternative zu den bisherigen Übersetzungen dieses französischen Klassikers - für Freilichtbühnen, aber auch für Saalbühnen sehr gut geeignet.
(Ebenfalls von Clemens Allweyer im Deutschen Theaterverlag erschienen: „Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde“, eine Bearbeitung, die den Fokus besonders deutlich auf den Aspekt der Persönlichkeitsspaltung richtet und mit „Dr. Freud“ eine zusätzliche Rolle ins Spiel bringt.)
„Ich geh‘ nur schnell Zigaretten holen“. Eine Chiffre für das Verschwinden auf Nimmerwiedersehen, die auch in Zeiten des Dampfens vermutlich noch verstanden wird.
Für die Autorin Anne Keßel ist es der Ausgangspunkt eines modernen Märchens für Erwachsene, „Es war einmal … anders!“ Zum Setting gehört ein magischer Spiegel, aber auch ein Zigarettenautomat in der Ecke eines rustikalen, „mittelalterlich“ anmutenden Gasthauses. Dort treffen zwei sehr verschiedene Frauen aufeinander: Rapunzel, deren „Prinz“ nur mal eben „Zigaretten holen“ wollte, und Schneewittchen, die es mit ihren sieben kleinen Männern nicht mehr aushielt und alles andere als einen prinzlichen Erlöser begehrt. Schnell entspinnt sich ein battle zwischen den beiden, ein mitreißendes Rededuell, in dem jede ihre Auffassung von der Rolle als Frau rhetorisch geschickt verteidigt. Tradwife gegen Feministin – und dann kommt tatsächlich ER angeschlurft, der Davongelaufene, mit nichts als Klagen über seine „Prinzenrolle“ ... Wie verhalten sich die Frauen ihm gegenüber? Wie weit können wir unser Schicksal selbst in der Hand nehmen? Diese Frage steht im Hintergrund des amüsanten, kurzweiligen 3-Personen-Stücks von Anne Keßel.
(Anne Keßel veröffentlichte außerdem: „Robin“, ein spannendes Theaterstück als Gerichtsverhandlung über eine selbständig entscheidende, mörderische Pflege-KI.)
„Small Data oder Schnüffeln für Anfänger“ ist der ironische Titel der zweiten Komödie von Johannes Strobel. Nach der Viruskomödie „Chaos unter Quarantäne“ wendet er sich einem weiteren aktuellen Thema zu, dem Datenklau. Das Stück spielt im Jahr 1996, es regiert die D-Mark und die schwarz-gelbe Koalition unter Helmut Kohl. Alex, frischgebackene, findige Privatdetektivin, kommt dahinter, dass sich Informationen lukrativ verkaufen lassen. Geschickte Fragetechnik und der übliche Dorfklatsch machen’s möglich: „Small Data“, lange vor dem Zeitalter von „Big Data“.
Wie schon in „Chaos unter Quarantäne“ gelingt es Johannes Strobel auch diesmal, Konstellationen und Figuren der traditionellen ländlichen Komödie mit genrefremden Elementen so aufzumischen, dass abstrakte Themen ganz konkret werden. „Small Data oder Schnüffeln für Anfänger“ zeigt am Beispiel eines kleinen Dorfes, wie der manipulative Umgang mit Datenwissen Strukturen verändern und Existenzen vernichten kann.
„Beim Nachbarn ist der Teufel los oder Die „Wahrheit über Elisabeth Taylor“ ist, nach vielen Comedy-Programmen, Kinderstücken und Einaktern, der Titel einer abendfüllenden Komödie von Thorsten Böhner. Ein geteiltes Bühnenbild, zwei Wohnungen: In der einen liegt ein gemordeter Ehemann eingewickelt in einen Teppich, in der anderen wehrt sich ein Rentner gegen die Abschiebung ins Altersheim. Auf beiden Seiten geht es entsprechend hektisch zu, und da sehr bald die Vermieterin und ein Polizist beiden Parteien Stress machen, tun sie sich in der Not zusammen. Hier wird von Satz zu Satz improvisiert und gelogen, es werden Rollen getauscht und handwerkliche Fähigkeiten in kriminelle Energie verwandelt. Und der berühmten Filmschauspielerin kommt testamentarisch eine Schlüsselrolle zu. „Moralisch korrekt“ ist in dieser schwarzen Komödie nicht einmal das Happy End …
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Mit herzlichen Grüßen aus Weinheim
Ihr
Deutscher Theaterverlag
Gabriele Barth