Januar 2026 - Familiengeschichten
Hausarbeit und Beruf, Mutterschaft, Vaterschaft, Partnerschaft – wer eine Familie gründet, erschafft eine neue Welt, in der er/sie sich erst einmal zurechtfinden muss. Für Film und Theater bietet das Familienleben im gesellschaftlichen Wandel einen unerschöpflichen Fundus an Geschichten, von heiter-verspielt bis tödlich ernst. Hier eine Auswahl:
„Muskat“ von Ulrike Zeitz beginnt mit der Schwangerschaft Nicoles, die sich auf ihr Baby freut, aber auch überfordert ist. Ihr Mann schlägt vor, eine Haushaltshilfe zu engagieren, eine wahre „Perle“ mit dem Kosenamen „Muskat“, die die kleine Familie auch nach der Geburt des Kindes begleitet. Doch halt: Ist die „Perle“ wirklich ein „guter Geist“ oder wäre es ratsam, gegen ihre außerordentliche Hilfsbereitschaft misstrauisch zu werden?
Ein spookyhaftes Drei-Personen-Stück über Manipulation und Identitätsstörung mit Anklängen an Alfred Hitchcock.
„Kinder, wie die Zeit vergeht“ Die Kinder sind erwachsen und feiern mit den Eltern den Geburtstag des Vaters. Unter dem anfänglichen Smalltalk verstecken sich notdürftig Selbstbehauptungsstrategien, Eifersüchteleien und Geheimnisse. Mit einiger Verspätung wird endlich das bestellte Geburtstagsgeschenk geliefert. Doch statt des erwarteten Geschenks enthält das Paket eine Atombombe. Hier spätestens wird klar, dass es sich bei dem Stück von Gideon Böss um eine Satire handelt. Aber die Frage ist nicht uninteressant: Was tun mit einer eigenen Bombe? Noch viele andere Fragen werden in dieser Komödie gestellt, doch diese eine bleibt offen.
Emil Kaschka schrieb mit „Seit Jakob“ einen Geschwisterdialog. Großer Bruder – kleine Schwester. Er ist ein Träumer, sie betreibt zielstrebig ihre Karriere. Seit vor Jahren „das mit Jakob“ passierte, ist ihr Kontakt abgerissen, doch nun wird der Vater pflegebedürftig. Wer soll sich um ihn kümmern? Ist die Zeit des einen weniger wert als die Zeit des anderen? Und was ist der tiefere Grund für die Entfremdung zwischen den Geschwistern? Verschüttetes kommt allmählich zur Sprache, und das tut letztlich beiden gut.
„Und was wird aus Mama?“ fragt Christina Rothammer in ihrem realistischen, zugleich humorvollen Familienstück. Hier sind es zwei Schwestern, die nach dem Sturz der betagten Mutter überlegen, wie es weitergehen kann. So unterschiedlich die beiden sind, so unterschiedlich fallen ihre Vorschläge aus. Die eskalierenden Schuldzuweisungen sind von außen gesehen nicht ohne Komik, und auch der anwesende, aber innerlich unbeteiligte Ehemann kriegt sein Fett ab. Ein Happy End gibt es nicht, aber schließlich sind doch alle einen Schritt weitergekommen.
Die plattdeutsche Fassung ist unter dem Titel „Wat maakt wi nu mit Mama?“ in der Übersetzung von Heino Buerhoop erschienen.
Anton, einziger Sohn von Bea und Helmut, war Soldat und wurde während des Einsatzes in Afghanistan getötet. Das Drama „Gottlos“ von Nadja Althauser setzt im Anschluss an die Beerdigung ein, nach der sich die Eltern mit einem befreundeten Paar zuhause treffen. Niemand weiß so recht, weshalb Anton Soldat wurde und freiwillig nach Afghanistan ging. War es falsch, ihn mit der Verantwortung allein zu lassen? Wie viel Schuld trägt sein engeres Umfeld, wie viel der deutsche Staat?
Der Afghanistaneinsatz ist beendet, doch die Frage nach Legitimation und Motivation für die Entsendung von Soldaten in Kriegs- und Krisengebiete stellt sich auch heute in aller Schärfe.
„Geburtstag“ von Karin Strauß ist eine Mutter-Sohn-Geschichte. Der Sohn verlässt sein Zimmer nicht mehr. Notdürftig wird er von der Mutter mit Essen versorgt. „Hikikomori“ nennen die Japaner diese Schwundform menschlicher Existenz, der hauptsächlich junge Männer zum Opfer fallen. Karin Strauß beleuchtet in ihrem Stück beide Seiten der Co-Abhängigkeit zwischen Mutter und Sohn, die schließlich in einem Akt der Fantasie aufgegeben werden kann.
- Hier noch einige weitere Familienstücke, die Sie mit einem Klick auf den Titel wie alle anderen Stücke sofort zur Hälfte des Inhalts anlesen können:
„Was sicher ist“ von Sonja Weichand. Eine Studie über Realitätsverweigerung nach dem Unfalltod eines Kindes.
„Lampedusa“ von Gilles Boulain. Die Schwester in Frankreich, der Bruder auf der Flucht aus Ägypten über‘s Meer, die Mutter zurückgeblieben in der Heimat. Was bedeutet Exil?
„Querschuss“ von Niclas Vater. Ein schwules Coming-out während der Sommerferien auf dem Land, mit dramatischen Folgen für alle Beteiligten.
„Nachkommen“ von Eva Krusat. Kinder UND Karriere, ist das nicht alles nur eine Frage der Organisation?
Natürlich spielen auch zahllose Volksstücke und Schwänke nach Herzenslust mit innerfamiliären Verschrobenheiten und geben generationenübergreifend dem Affen Zucker. Besonders die Theaterstücke von Bernd Gombold, Walter G. Pfaus und Heidi Mager bieten Ihnen eine bunte Palette erprobter und unverwüstlicher Spielstoffe.
Nicht zuletzt möchten wir Sie noch auf eine Neuerscheinung des österreichischen Autors Christoph Mayer neugierig machen: „Der Wannenlift“, eine turbulente Verwechslungs-Familienkomödie, ein tolles Stück für erfahrene Ensembles.
- Mit einem Klick auf die Titel können Sie alle Stücke direkt zur Hälfte anlesen.
Wir wünschen Ihnen anregende Lektüre und sind mit herzlichen Grüßen aus Weinheim
Ihr
Deutscher Theaterverlag
Gabriele Barth